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Birnen, Bohnen und – Lachs

Birnen, Bohnen, Speck und ich: Das war keine Liebe auf den ersten Blick. War vielmehr ein Reinfall auf ganzer Linie. Ein Vierteljahrhundert ist das her. Höchste Zeit für eine zweite Chance. Und für die Aussöhnung.

birnen_bohnen_lachs

Rückblende: August 1988. Hochsommerliche Hitze und strahlend blauer Himmel am Bodensee, wo meine Schwester und ich ein paar Ferientage verbringen. Bei Tante Hanna, die genau genommen unsere Großtante ist. Gegen Tante Hanna ist überhaupt nichts einzuwenden. Sie kann toll erzählen, ist ziemlich cool und niemals knauserig mit Geschenken. Zu Hause ist sie in Schleswig-Holstein, ihre Sommer aber verbringt sie in ihrer Ferienwohnung hoch oben über dem Bodensee. Die ist in der ganzen Familie beliebt. Zu beliebt, wenn man meine Schwester und mich damals gefragt hätte. Denn zeitgleich mit uns ist auch Tante Hannas älterer Bruder zu Besuch. Der ist nicht ganz so cool, mag seinen Alltag gern penibelst geordnet – und fährt grauenvoll Auto. Beim gemeinsamen Ausflug zur Mainau zittern Schwesterlein und ich auf der Rückbank um die Wette.

Am Wegesrand liest Tante Hanna ein paar Birnen auf. Das trifft sich gut, da kann sie Birnen, Bohnen und Speck kochen, das hat sich ihr Bruder nämlich gewünscht. „Beer’n, Bohn un Speck“ sei sein Leibgericht, wie er nicht müde wird zu beteuern. Ich kenne es nicht, das Gericht, aber mit Speck bin ich jederzeit zu locken, und auch die übrigen Zutaten klingen, als ob mir die Kombi schmecken könnte. Gespannt blicke ich dem Abendessen entgegen. Und werde schwer enttäuscht. Der Eintopf ist zu einer matschigen Angelegenheit verkocht, wabbelige Speckscheiben, die jeglichen Geschmack abgegeben haben – an wen oder was, bleibt ungeklärt -, dümpeln träge obenauf. Muss aber anscheinend haargenau so schmecken, der Großonkel ist höchst angetan. Mühsam löffele ich mich durch meine Portion.

Am nächsten Tag gibt’s die Reste. Die reichen nicht mehr für alle, darum kocht Tante Hanna zusätzlich Spaghetti mit einer herrlich duftenden Sauce aus frischen Tomaten und vielen Kräutern aus den Terrassen-Töpfen. Lecker – ich freu‘ mich auf’s Abendessen. Und werde einmal mehr bitter enttäuscht. Denn es erweist sich, dass des Onkels heiße Liebe zu Birnen, Bohnen und Speck über Nacht merklich abgekühlt ist. Frisch gekocht sticht Leibgericht, heißt offenbar die Devise des erfahrenen Gourmets, der sich – wer ihn am Steuer erlebt hat, hätte ihm eine solch blitzartige Reaktion niemals zugetraut – binnen Sekunden eine Portion Pasta mit Tomatensauce sichert. Die zweite geht ans Schwesterlein. Bleiben folgerichtig Tante Hanna und ich, die wir uns durch die beiden Rest-Portionen Birnen, Bohnen und Speck mümmeln. Ein freudloses Unterfangen, was mich betrifft…

Diesem verkorksten Start zum Trotz war ich immer überzeugt, dass ich Birnen, Bohnen und Speck durchaus mögen würde, wenn sie denn gut zubereitet wären. Die Probe aufs Exempel habe ich allerdings nie gemacht. Bis ich auf Evas Einladung zum „Flying Buffet“ hin gedanklich an Vorspeisen-Kombis zu tüfteln begann, die sich auf einem kleinen Löffel oder auch im Glas serviert gut machen würden. Auf einmal war er da, der Gedanke an Birnen, Bohnen und Speck – und ließ mich nicht mehr los. Weil Evas Büffet allerdings hochzeitstauglich sein soll, hat meine Version mit der deftigen Hausmannskost, die das Original darstellt, nicht mehr viel zu tun. Die Gemüse sind einzeln gegart, der Speck durch geräucherten Lachs ersetzt. Dennoch ist das Ergebnis – wie ich finde – einerseits so nah dran, dass die Vorlage erkennbar ist, und andererseits auf seine eigene Art stimmig. Und so überzeugend, dass ich mich demnächst auch mal ans Original mit Speck wagen werde.

Und das braucht ihr für zehn Vorspeisen-Portionen:

2 große Birnen
4 mittelgroße Kartoffeln
200 g Prinzessbohnen
100 g Räucherlachs
Öl
Butter
100 ml Schlagsahne
etwas Schnittlauch
Salz & Pfeffer

Das macht ihr:

Die Bohnen putzen und in kochendem Salzwasser vier Minuten blanchieren. Abgießen, eiskalt abschrecken und in mundgerechte Stücke schneiden. Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Birnen vierteln, das Kerngehäuse entfernen, die Viertel ebenfalls würfeln. Die Kartoffeln in heißem Öl 8 bis 10 Minuten braten, bis sie goldgelb sind. Salzen und pfeffern. Die Birnen zwei bis drei Minuten in Butter andünsten. Birnen, Bohnen und Kartoffeln noch warm behutsam mischen. Den Lachs in kleine Stücke zupfen und ebenfalls untermischen. Schnittlauch fein hacken, in die Sahne geben, diese kurz aufkochen, salzen und pfeffern. Gemüse- & Lachs-Mischung auf Portionslöffeln oder im Glas anrichten und mit der Schnittlauchsahne beträufeln. Ideal ist es, wenn Birnen, Bohnen und Lachs lauwarm serviert werden. Sie schmecken aber auch kalt.

Wie es weiter ging mit Tante Hanna & Co., wollt ihr noch wissen? Der Großonkel lebt nicht mehr, ist schon vor vielen Jahren gestorben. Die Ferienwohnung am Bodensee hat auch längst neue Besitzer – aber Tante Hanna geht es gut. 95 Jahre alt ist sie – und sehr fit, wie mein Vater zu berichten weiß, der sie regelmäßig besucht, da oben in Schleswig-Holstein. Ob sie noch kocht, weiß ich allerdings nicht. Ich muss sie dringend mal anrufen.

Dieser Beitrag fliegt geschwind zu Evas Blog-Event „Flying Buffet“.

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3 Comments

  1. Wunderschön geschrieben! Und das mit der Liebe auf den zweiten Blick kann ich Dir nachfühlen. Ich probiere mich auch seit Jahren durch alle möglichen Abwandlungen, die ohne Wabbelspeck auskommen. 😉

    • svanadis

      svanadis

      Merci, liebe Sabine! Dann ist das also normal mit dem Wabbelspeck? Und ich dachte, Tante Hanna wäre einfach eine ur-miese Birnen, Bohnen und Speck-Köchin!

      • Ehrlich gesagt habe ich es nie bis zum Wabbelspeck kommen lassen. Aber wann immer ich traditionelle Birnen-Bohnen-Speck-Rezepte lese, wird da der Speck wabbelig gekocht. Ürgs.

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