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Cornish Pasty: Köstlicher Sattmacher von der Insel

Heute spielen wir mal ’ne Runde Kofferpacken, ja? Okay, so was ähnliches … und ich fang‘ an! Ich backe meine Tasche und lege hinein: Kartoffeln. Ich backe meine Tasche und lege hinein: Steckrüben. Ich backe meine Tasche und lege hinein: Rindfleisch. Und der Koffer bleibt auch nicht leer, dort hinein kommt ein Reiseführer von Cornwall. Alles klar, oder?

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Erfahrene England-Reisende, speziell solche mit einem Faible für das malerische County am südwestlichen Ende des Landes (im Wortsinne!), dürften längst Bescheid wissen: Heute gibt es Cornish Pasty. Gefüllte Teigtaschen auf die feine handfeste englische Art. Ihre Erfindung ist, ähnlich zu der des Sandwich, der praktischen Ader der Engländer zu verdanken. In letzterem Falle soll es ein waschechter Earl gewesen sein, der das Blatt beim Karten spielen nicht aus der Hand legen mochte und deshalb auf die Idee kam, sich seine Mahlzeit zwischen zwei Brotscheiben geklemmt zum einhändigen Verzehr servieren zu lassen. Unser Gericht des Tages, die Cornish Party, sollen – so will es die Überlieferung – brave Ehefrauen englischer Bergleute im 17. Jahrhundert erfunden haben. Um ihren unter Tage schwer schuftenden Männern, die während ihrer Schicht nicht aus der Zinnmine heraus kamen, eine nahrhafte Mahlzeit mitzugeben, bereiteten sie Teigtaschen zu, die sie mit all dem füllten, was ihrer Meinung nach zu einer vollständigen Mahlzeit gehörte: Kartoffeln, Rindfleisch, Steckrübe. (Wobei letzteres meine Lesart des englischen Wortes „turnip“ ist, was ganz allgemein Rübe bedeutet. Das kann also durchaus unterschiedlich ausgelegt werden. Einig sind sich deutsche Nachkochende, bei denen ich recherchiert habe, nur darin, dass sicher keine Mohrrübe gemeint ist.)

Verschlossen wird die Cornish Pasty, indem der Rand zu einer dicken Kruste geformt wird. Praktisch, die Zweite: An diesem Rand kann der Esser seine Teigtasche festhalten, wenn er davon abbeißt. Die Kruste aßen die Bergarbeiter seinerzeit nicht mit, sondern warfen sie den Kobolden, Geistern verstorbener Bergleute, in die Mine. Der Legende nach, damit diese sie beschützten. Was in gewisser Weise sogar funktioniert haben dürfte: Die Bergleute kamen bei ihrer Arbeit in der Zinnmine nämlich immer wieder auch mit Spuren von Arsen in Berührung. Nicht die schlechteste Idee also, den Rand, an dem sie wiederum ihre Cornish Pasty anfassten, NICHT mitzuessen…  – Und noch einen Praxis-Tipp hatten die Bergarbeiter-Gattinnen von anno dazumal parat: Sie versahen jede Teigtasche mit den Initialen ihres Mannes. So konnte der den Rest seiner Pasty nach der ersten Pause für die nächste verwahren. Was durchaus üblich gewesen sein dürfte, denn die Teigtaschen stellen in ihrer Üppigkeit ein selbst für Bergarbeiter-Mägen durchaus forderndes Gericht dar.

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Bis heute ist die Pasty – zusammen mit dem Cornish Cream Tea – die bekannteste Spezialität Cornwalls, die sogar per EU-Ursprungsbezeichnung geschützt ist. Wer sie vor Ort kauft, sollte aber darauf schauen, wo er sie erwirbt. Mit Pech erwischt man ein Exemplar, das ausschließlich mit Kartoffel gefüllt zu sein scheint: Ein Garant für wenig Eigengeschmack, aber jenes schnell erreichte Stopf- und Völlegefühl, das in meiner Familie unter dem Stichwort „Käsekuchen-Effekt“ gefürchtet ist.

Jetzt aber zum Rezept, das bei mir fünf große und zwei kleine Teigtaschen ergeben hat.

Dafür braucht ihr:

450 g Mehl
2 TL Backpulver
1 TL Salz
120 g Butter
2 Eigelb + 1 Ei zum Bestreichen der Taschen
120 ml kaltes Wasser

450 g Kartoffeln
300 g Steak
150 g Zwiebel
150 g Steckrübe
1 EL Mehl
Salz
Pfeffer

Und das macht ihr:

Die kalte Butter würfeln, dann mit Mehl, Backpulver, Salz und Eigelb mit den Knethaken des Handrührgerätes so lange bearbeiten, bis die Mischung von ihrer Konsistenz her Brotkrumen ähnelt. Das Wasser nach und nach in Esslöffel-Portionsmengen zugeben, bis ein Teig entsteht, der sich zu einer Kugel formen lässt. Achtung: Eventuell wird nicht die komplette Wassermenge benötigt. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens eine halbe Stunde im Kühlschrank kalt stellen.

In der Zwischenzeit Kartoffeln, Steckrübe und Zwiebel schälen und fein würfeln. Wer sicher gehen will, dass er später nicht auf halbgarem Gemüse herumknurpst, gibt Kartoffel- und Steckrübenwürfel für zirka vier Minuten in kochendes, gesalzenes Wasser, gießt sie dann ab und lässt sie vor dem Weiterverarbeiten gut abtropfen. Nötig ist das angeblich nicht, wenn man das Gemüse fein genug schneidet – ich kann es allerdings nicht bestätigen, ich habe die vorgegarte Variante gewählt. Das Fleisch wird ebenfalls klein gewürfelt, in einer Schüssel mit dem Mehl bestäubt und mit dem gewürfelten Gemüse vermischt. Gewürzt wird kräftig mit Salz und Pfeffer.

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und portionsweise ausrollen, einen Teller drauf legen, den Rand mit einem Messer umfahren und so die Grundform für die Pasty ausschneiden. Die Füllung auf einer Seite der Teigscheibe verteilen, dabei darauf achten, dass ein Rand stehen bleibt, und die andere Teighälfte darüber klappen, so dass eine halbmondartige Form entsteht. Die Ränder mit dem verquirlten Ei bestreichen und so falten und zusammendrücken, dass die Teigtasche fest verschlossen ist. Die Tasche mit einem spitzen Messer einritzen.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen, die Pasties darauf platzieren und mit dem Rest des verquirlten Eis bestreichen. Bei 180°C Umluft 25 bis 30 Minuten backen (bei vorgegartem Gemüse, sonst verlängert sich die Backzeit entsprechend). Die Taschen sollten außen goldbraun sein und nach dem Backen noch ein paar Minuten ruhen. Dann darf gefuttert werden – aber Vorsicht: Die Dinger sind heiß! Sie schmecken allerdings auch gut, wenn sie später abgekühlt sind. Wär‘ ja sonst auch schön blöd gewesen für die englischen Bergarbeiter, gelle?!

Die Cornish Pasty ist mein Beitrag für das große Teigtaschen-Blogevent, zu dem Susanne von „Magentratzerl“ in Zorras „Kochtopf“ geladen hat. Tolle Idee, ich freu‘ mich auf die Vielfalt verpackter Köstlichkeiten, die dabei garantiert zusammenkommt!

Blog-Event CXIII - Teigtaschen (Einsendeschluss 15. Oktober 2015)

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