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Bloß nicht lauwarm: Jakobsmuscheln und Winzersekt

Zuweilen, wenn ich in der rechten Stimmung bin, klingt ein Gericht für mich wie ein Gedicht. „Samtige Sekt-Sauce“ – Poesie pur, oder? Schmeckt auch so. Zur Jakobsmuschel hingegen gibt es kein Gedicht (zumindest kenne ich keins), sondern eine Geschichte. Erzähl‘ ich gleich, keine Sorge. Aber erst mal kommt die Ansage, was heute auf der Menütafel steht. Eine feine Vorspeise: Jakobsmuscheln in besagter samtiger Sekt-Sauce.

jakobsmuscheln_crémant_sauce

Der Name „Jakobsmuschel“ geht zurück auf den heiligen Jakobus, den Schutzpatron der Pilger. Der Überlieferung zufolge verwendeten die christlichen Pilger des Mittelalters die Jakobsmuschel, um darin Wasser zu schöpfen. Wer nach Santiago noch knappe 90 Kilometer weiter geht, der erreicht das Meer am Cap Finisterre – Finisterre, das heißt so viel wie „Ende der Welt“. Ein bei den Pilgern auf dem Jakobsweg beliebter Brauch war es, bis dorthin, ans Meer, zu gehen, um eine echte Jakobsmuschel zu suchen. Als Pilgerzeichen an Hutband oder Gürtel getragen, ist die Muschel so mit der Wallfahrt nach Santiago de Compostela verbunden; sie erinnert an den Besuch des Grabes des heiligen Jakobus. „Die Muschel war mehr als nur ein Souvenir. Nach der Rückkehr in die Heimat sicherte sie ihrem Träger Ansehen, und mancher ließ sich die Muschel ins Grab legen“, heißt es dazu in der Überlieferung. So ist die Muschel auch ein ganz klares Zeichen dafür, dass jene Pilger für ihr beschwerliches, abenteuerliches Unterfangen der Wallfahrt brannten, dass sie Herzblut in die Sache investierten.

Womit wir wieder bei den Jakobsmuscheln in Sekt-Sauce sind. Denn: Egal, wie sinnlich-poetisch die Zutaten für eine Speise daherkommen mögen – einen Begriff gibt es, der mir unter Garantie und umgehend jede Lust aufs Probieren verdirbt. Und das ist das Wörtchen „lauwarm“. Zanderfilet auf lauwarmem Linsensalat? Lauwarm gratinierter Ziegenkäse? Zucchini in lauwarmer Pilz-Vinaigrette? Mag alles köstlich sein; mag  sogar sein, dass die Temperatur jeweils Einfluss auf den Geschmack nimmt und somit ihren Sinn hat – geschenkt. Für mich überwiegt bei der Bezeichnung „lauwarm“ einfach die Assoziation von Attributen wie leidenschaftslos, blutleer und fade. Nicht mein Ding, weder im Leben noch auf dem Teller – geschweige denn im Glas.

Ich mag es, wenn Menschen für eine Sache brennen; ich mag es heiß, ich mag es kalt, und gern auch beides in Kombination. So kommt nämlich Spannung ins Spiel. Daher treffen in diesem Gedricht die Jakobsmuscheln, wenn sie in ihrer Sekt-Sauce (samtig!  🙂 ) frisch und heiß direkt aus der Pfanne kommen, auf einen bunten Salat in kalter Vinaigrette, und ein Glas gut gekühlten Winzersekt – in diesem Falle von der Mosel – gibt’s dazu. Heiße Kombi, versprochen!

Und das braucht ihr für vier Portionen:

8 Jakobsmuscheln, ausgelöst
2 EL Raps- oder Sonnenblumenöl
50 – 60 g Butter
1/8 l Winzersekt
2 Schalotten
150 g bunt gemischter Blattsalat
1,5 EL Weißer Balsamico
1,5 EL Himbeeressig
2,5 EL Olivenöl
0,5 EL Sesamöl
1/2 EL Senf
1 EL gemischte Kräuter
Zucker
Salz
Pfeffer

Und das macht ihr:

Schalotten abziehen und fein würfeln. Salat waschen und schleudern, bei Bedarf in mundgerechte Blättchen zupfen. Die Hälfte der Schalotten mit den zwei Essigen, dem Senf, den gehackten Kräutern und den beiden Ölen zu einer Vinaigrette verrühren, diese mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken. Den Salat mit der Vinaigrette anmachen und auf Tellern anrichten.

Das Raps- oder Sonnenblumenöl in einer Pfanne erhitzen. Jakobsmuscheln darin je nach Dicke zwei bis drei Minuten braten, dabei wenden. Die Muscheln sollen nicht bräunen – und sie sollen keinesfalls durchgaren, sondern innen glasig bleiben. Salzen, pfeffern, aus der Pfanne nehmen und warm stellen.

Die Butter in kleine Würfel schneiden und kurz im Gefrierfach zwischenparken. Die übrigen Schalotten im Muschel-Bratsatz glasig dünsten, mit Sekt ablöschen, aufkochen und zwei Minuten köcheln lassen. Die Hitze herunterschalten und den Sud nach und nach mit der Butter zur samtigen Sauce aufmontieren. Diese mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Schließlich die Jakobsmuscheln wieder zugeben und noch einmal erhitzen, aber nicht mehr kochen lassen.

Muscheln auf den Tellern mit dem Salat anrichten, Sauce darüber träufeln und sofort – heißt: bloß nicht lauwarm, sondern schön heiß – servieren. Dazu ein Glas gekühlten Sekt: perfekt!

Dieser Beitrag nimmt teil am Blogevent „heiss & kalt“, das Zorra in ihrem Kochtopf zusammen mit elmex Sensitive Professional ausrichtet.

Blog-Event CXII - Heiss & Kalt (Einsendeschluss 15. September 2015)

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4 Comments

  1. Du lässt mich schmunzeln. Ich muss gestehen ich mag lauwarme Speisen. Aber ist ja gut, dass es verschiedene Geschmäcker gibt und deine heissen Jakobsmuscheln würde ich schon gerne probieren!

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Ooookeee, ein kleines bisschen übertrieben hab‘ ich die Sache mit der Lauwarm-Hasserei schon … im Sinne des Event-Themas halt … 😉 Aber heiß mag ich lieber!

  2. Mit Jakobsmuscheln kannst du mich stets begeistern!

    Zu lauwarm:
    Ich bin auch eher für wirklich heiss oder richtig kalt, wie traurig wäre ein lauwarmer Blattsalat zu den Coquilles St-Jacques?!
    Bei deinem Beispiel vom Linsensalat hat lauwarm aber durchaus seine Berechtigung, nämlich dann, wenn die gekochten Linsen aus der Pfanne mit einem Dressing und weiteren Zutaten gemischt werden. Nochmals erhitzen oder in den Kühlschrank stellen? Beides finde ich schade. Und lauwarm passt der Linsensalat (aus braunen, grünen oder roten Linsen) eben sehr gut zu kross gebratenen Fischstreifen oder einer Entenbrust. Meine subjektive Meinung.
    Meine objektiven, lauwarmen Linsensalat-Rezepte:
    http://maxximus7.blogspot.com/2014/09/die-guten-ins-topfchen.html
    http://maxximus7.blogspot.com/2015/03/himbeeressig.html

    Mit besten Grüssen aus Fernost,
    FEL!X

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Klar, Felix, du hast vollkommen Recht. Dass ich richtig heiß und richtig kalt lieber mag, stimmt durchaus, aber ich habe hier schon ein bisschen überspitzt formuliert… 😉 Und deine Rezepte sehen großartig aus, vor allem das erste, das du verlinkt hast. Ob mich das zum Lauwarm-Fan bekehren kann? Ich setze es mal auf die Nachkochliste. Schöne Grüße!

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