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Katzenjammer und Lahmacun

Hier ist wenig los zurzeit. Dabei stehe ich gefühlt permanent in der Küche und bereite mit viel Aufwand und Mühe Mahlzeiten zu. Indes: alles für die Katz.

lahmacun
Und das ist kein kleines bisschen lustig. Kater Heinrich, unser kleiner Parmesan-Liebhaber, ist momentan wirklich arm dran. Erst mussten ihm fast alle Zähne gezogen werden, weil er, wie so viele Katzen-Kollegen, an FORL leidet, einer Stoffwechselkrankheit, die ihm die Zähne im Maul wegbröckeln ließ. Dann stellten die Tierärzte fest, dass der kleine Kerl auch noch Diabetes hat. Als Folge aus der Kombi dieser beiden Krankheits-Geschichten hat Heinrich das Fressen derzeit fast komplett eingestellt.

Dabei geben wir uns alle Mühe, ihn mit Leckerbissen wieder zurück an die Futterschüssel zu locken: Wir kochen Fleischbrühe aus Rind und Huhn. Wir braten und grillen feine Hähnchenbrust oder servieren sie so, wie er sie bislang leidenschaftlich gern verschlungen hat: roh. Wir kredenzen ihm Lachs und Forelle, mal frisch, mal geräuchert. Wir hacken Steak zu Tatar oder schneiden Rinderherz in feinste Würfelchen. Wir rühren mit Milch oder Sahne zahnschonende Breie aus fleischlastiger Babykost an. Wir bereiten ganz sanftes, sahniges Rührei zu – oder geben das Ei einfach nur gut verquirlt als pure Kraftbombe ins Schüsselchen. Wir mixen Joghurt, Quark und Mascarpone mal mit einem Schuss Milch, mal mit Hefeflocken für die Extra-Portion Energie. Kurzum: Wir halten ein kalt-warmes Dauer-Büffet mit Leckerbissen in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen und Konsistenzen vor. Aber Heinrich frisst nicht. Oder kaum.

Bislang habe ich geglaubt, es sei der undankbarste Job, für mäkelige Kinder zu kochen. Aber stets und ständig und meistens erfolglos mit Futterangeboten hinter dem kranken Katerchen her zu laufen, ist noch viel frustrierender. Und vor allem 1000 Mal trauriger. Natürlich bekochen wir Heinrich nicht nur, sondern ziehen auch alle tiermedizinischen und naturheilkundlichen Hebel. Und assistenzfüttern ihn mit hochkalorischem Nassfutter per Spritze ins Maul. Was weder für ihn noch für uns richtig spaßig ist. Ich hoffe so sehr, dass Heinrich bald wieder selbst und von sich aus kräftig reinhaut!

Bis es soweit ist, bleibt hier allerdings wenig Energie und Zeit, Aufwand mit der Nahrungszubereitung für uns Zweibeiner zu betreiben. Darum zeige ich euch hier aus Stevan Pauls Streetfood-Buch „Auf die Hand“ das oberleckere Lahmacun, dem es neulich mühelos gelungen ist, Frust und Tristesse mit einer dicken Schicht Glücklichesser-Guss zu überziehen.

Den Teig für vier Fladenbrote setzt ihr aus 250 g Mehl, 10 g Hefe, 1 TL Zucker, 1 EL Olivenöl und 1 Spritzer Weißweinessig an. Die Zutaten werden verknetet, dann darf der Teig für ein halbes Stündchen an einem warmen Ort gehen und wird anschließend in vier Kugeln geteilt, die möglichst dünn ausgerollt werden. Je zwei kommen bei 220°C für 6 bis 8 Minuten auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech in den vorgeheizten Ofen.

Für den Hackfleisch-Sugo bratet ihr 300 g Rinderhack zusammen mit 15 g fein gehackten getrockneten Tomaten, einer gehackten Zwiebel und einer fein gewürfelten Knoblauchzehe an. 1 EL Tomatenmark kurz mitrösten und Je 1 TL Kreuzkümmel und gemahlene Fenchelsaat darüber streuen – ich habe beide Mengen aufgestockt und außerdem mit Pimentón de la Vera kräftig nachgeschärft -, ehe das Ganze mit 400 ml Rinderfond abgelöscht wird. Jetzt darf alles gut zehn Minuten einkochen, bis ein sämiger Sugo entstanden ist. Mit Salz, Pfeffer und einer ordentlichen Prise Zucker abschmecken.

Für die Joghurt-Sauce mixt ihr Feta oder Beyaz Peynir (ein türkischer Hirtenkäse in Salzlake) mit einem Becher griechischem Joghurt und 1 TL Olivenöl, gebt gehackten Dill dazu und schmeckt mit Salz und Zitrone ab. Ein bisschen mehr Feta oder Beyaz Peynir bröckelt ihr klein und stellt ihn in einem Schälchen bereit.

Aus zwei Tomaten, einer kleinen roten Zwiebel (Ringe), einem halben Herz Römersalat und einer halben Salatgurke schnippelt ihr einen Salat, den ihr mit 2 EL Olivenöl, 1 TL Walnussöl und 2 TL Rotweinessig anmacht. Das Dressing wird mit Salz und Pfeffer gewürzt.

Jetzt geht’s auch schon an’s Füllen: Die Fladen werden mit dem Hackfleisch-Sugo bestrichen, der Salat kommt in die Mitte, wird mit Sauce beträufelt und mit Feta bestreut. Fladen zu Rollen wickeln und aus der Hand futtern. Das ist nicht nur köstlich, sondern auch echt praktisch. So bleibt nämlich die zweite Hand frei, um ein kränkelndes Katertier gesund zu kraulen.

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8 Comments

  1. Von ganzem Herzen gute Besserung für Heinrich. Bei dieser vortrefflichen Küche kann es doch nur aufwärts gehen. Es ist immer schlimm, wenn die Haustiere krank sind – ich bin dann jedesmal mit krank, wenn unser Hund etwas hat.

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Ganz lieben Dank für die guten Wünsche! Ja, ich find’s auch immer ganz scheußlich, wenn die armen Viecher leiden. Ich hoffe, hier geht’s jetzt bergauf. Gerade schleckt Heinrich ein Löffelchen Creme fraiche – aber gleich müssen wir erst noch mal zum Tierarzt. Ich hoffe, er hat sein Gewicht mindestens gehalten…!

      • Martin

        Martin

        Tolles Rezept, aber muss da nicht noch ein wenig Wasser in den Teig?

      • Barbara Luetgebrune

        Barbara Luetgebrune

        Hab‘ ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Ein bisschen mehr Wasser wäre sicher okay gewesen, so (nach Rezept) war es aber auch in Ordnung. Die Fladen ließen sich durchaus rollen. Beim nächsten Versuch achte ich mal drauf.

      • Martin

        Martin

        Du meinst aus 250 g Mehl, 10 g Hefe, 1 TL Zucker, 1 EL Olivenöl und 1 Spritzer Weißweinessig lässt sich ein Teig kneten? Ich habe es heute nochmal getestet, da kommt kein Teig raus. mindestens 100ml Wasser oder mehr habe ich benötigt…

      • Barbara Luetgebrune

        Barbara Luetgebrune

        Aaaaaah, shame on me! Jetzt hab‘ ich noch mal genau nachgeschaut, und ich habe tatsächlich die 170 ml lauwarmes Wasser vergessen. Die fehlen nämlich im Buch auch in der Zutatenliste, an der ich mich nicht nur beim Schreiben orientiert habe, sondern auch nach deinem ersten Kommentar, als ich die Zutaten abglich. Im Rezept-Text kommen sie dann allerdings vor … sorry, sorry, sorry! Ich hoffe, du gibst dem Lahmacun trotzdem noch ’ne Chance, diesmal MIT Wasser, es lohnt sich nämlich wirklich.

        Viele Grüße!

  2. O je, der arme Kater! Das klingt ja wirklich traurig. Ich wünsche baldige Besserung und Wiederkehr des Appetits! Den/die/das Lahmacun habe ich ja schon auf FB bewundert – sieht wirklich toll aus!

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Danke für die guten Wünsche! Im Moment mag ich glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gerade hat Heinrich eine halbwegs anständige Portion vom Grillhähnchen-Rest von gestern Abend verputzt … Toitoitoi!

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