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Mais trifft Popcorn im Suppenteller

Sagt mal ehrlich, gibt es ein amerikanischeres Nahrungsmittel als Mais? Cornflakes, Popcorn, gegrillte Kolben oder auch ein zünftiger „Corn Chowder“: Letzterer steht schon lange auf meiner Nachkochliste. Das Blogevent „Kulinarischer Roadtrip durch die USA“ ist da perfekter Anlass zum Ausprobieren.

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In seiner „Ode an den Mais“ schreibt Pablo Neruda:

„Amerika, aus einem Maiskorn
hast du dich erhoben,
bis du mit ausgedehnten Landen
fülltest
den schäumenden
Ozean.“

Bis heute sind die Vereinigten Staaten der weltweit größte Maiserzeuger. Das Gros der Produktion wird aber nicht mehr zu Nahrungsmitteln, sondern zu Treibstoff verarbeitet. Ein Dilemma – längst nicht nur „made in USA“, sondern in allen Industriestaaten: Während diese Mais heute vornehmlich als nachwachsenden Rohstoff nutzen und daraus etwa ökologisch abbaubare Verpackungen, kompostierbare Alternativen zu Plastikgeschirr und eben vor allem auch Bio-Treibstoff herstellen, ist er andernorts nach wie vor lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel. Und diejenigen, die den Mais auf dem Teller brauchen, haben wirtschaftlich keine Chance gegen diejenigen, die ihn durch den Tank jagen.

Nur die Treibstoff-Nummer ist neu in der Geschichte, der Hunger ist es nicht. Sein Gedicht schrieb Neruda schon 1956, und dort heißt es auch:

„…auf den nackten Tisch
des Bergmanns
gelangt zuweilen
deines Produktes Abglanz nur.“

Wir haben – zum Glück! – Mais auf dem Teller. Im Suppenteller, um genau zu sein, und gleich in zweifacher Form. Für den Corn Chowder, eine deftig-traditionelle Maissuppe, habe ich auf ein Rezept des franco-amerikanischen Monegassen Alain Ducasse zurückgegriffen. Er serviert als Suppeneinlage neben dem Popcorn übrigens – ganz edel – Morcheln. Das probiere ich bei passender Gelegenheit sicher auch noch aus, in diesem Zusammenhang fand ich Schinken allerdings stimmiger.

Das braucht ihr:

1 Zwiebel
1 große Dose Mais
zirka 900 ml Geflügel-Fond
Öl
Salz
weißer Pfeffer
Cayenne-Pfeffer
Popcorn-Mais
Schinken oder Bacon

Und das macht ihr:

Die Zwiebel würfeln und in Öl glasig dünsten, den abgetropften Mais hinzugeben und ein paar Minuten mitdünsten. Dann mit dem Fond ablöschen und 20 Minuten köcheln lassen. Suppe mit dem Stabmixer pürieren und mit Salz, Pfeffer und Cayenne-Pfeffer abschmecken.

Ein wenig Öl in einen Topf geben, so dass der Boden gerade bedeckt ist. Popcorn-Mais dazugeben – die Körner sollen nicht übereinander liegen – und bei mittlerer Hitze und geschlossenem Deckel aufpoppen lassen. Leicht salzen. Bacon oder Schinken (in unserem Fall war es Hällische Coppa) in der Pfanne sanft braten beziehungsweise aufknuspern lassen. Suppe mit Popcorn und Schinken anrichten, mit dem Fotografieren beeilen (das Popcorn säuft schnell ab! 😉 ) und – mit Pablo Neruda – genießen:

„Mais, wohin auch immer du fällst,
in den glorreichen Schmortopf
der Rebhühner, unter die ländlichen
Bohnen, du verleihst
der Speise festlichen Glanz und fügst ihr
deiner Substanz ursprünglichen Schmack hinzu.“

Das ist mein erster Beitrag zum Blogevent „Kulinarischer Roadtrip durch die USA“, das Bella vom Blog bellakocht bei der großartigen Zorra ausrichtet, deren Blog jetzt schon volle zehn Jahre alt wird. Wahnsinn! Und Gratulation!

Morgen schicke ich dann noch ein paar herzhafte Salt-And-Pepper-Biscuits hinterher, die prima zur Maissuppe passen. Und die allerliebsten Grüße gehen mit beiden Beiträgen an meine Schwester C., die mit ihrer Familie in den USA lebt und die hier treu mitliest. Das hoffe ich doch zumindest schwer! 🙂

Blog-Event XVC - Kulinarischer Roadtrip durch die USA (Einsendeschluss 15. Februar 2014)

Published in Uncategorized

6 Comments

  1. Liebe Barbara,

    vielen Dank für deinen Beitrag zum Blogevent!
    Schön, dass du „was mit Mais“ machst, der ist in den USA ja wirklich überall anzutreffen, besonders gefällt mir die Idee mit dem Popcorn darauf- erst kürzlich habe ich noch überlegt, warum die Amis ihr Popcorn eher herzhaft und wir hier eher süß essen?

    Vg bella

    • svanadis

      svanadis

      Danke für das schöne Event-Thema, liebe Bella! Und was das Popcorn angeht, bin ich ganz bei den Amis: Ich mag’s auch eher salzig. Darum gibt’s von mir nachher auch noch einen herzhaften Nachschlag für dein Event: Salt-And-Pepper-Biscuits… 🙂

  2. Ja, ich gebe zu, hier wird wohl nix daraus, mit übergehängter Flinte in den Sonnenuntergang zu reiten und nebenher aus der Hüfte ein paar Rebhühner fürs Abendessen zu schießen. Schade …

    • svanadis

      svanadis

      😀

  3. Nee, ne? Genau vor zwei Wochen habe ich mich ebenfalls von Corn Chowder inspiriert gefühlt, eine Maiscremesuppe gekocht und Popcorn drübergestreut – allerdings nicht fürs Blog, sondern für ein Buch. Manche Ideen scheinen einfach in der Luft zu liegen! Falls Du also im September in einem Kochbuch auf ein Rezept stößt, das diesem hier verdächtig ähnelt, dann glaub mir bitte: nicht geklaut! 😉
    Lässt Du Dich übrigens von Neruda noch zu einem Rebhuhnschmortopf mit Mais verleiten? Mach doch mal, bitte!

    • svanadis

      svanadis

      Gnihihi. So eine gewisse Parallelität taucht bei uns beiden ja nicht zum ersten Mal auf… 😉 Und Rebhuhn, Rebhuhn – wo soll ich denn bitte Rebhuhn herkriegen? Stehen die Viecher nicht sogar unter Naturschutz?

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