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Mit Münchhausen auf Gourmetreise

„Hört zu, ich will euch von einem guten Lande sagen, dahin würde mancher auswandern, wüsste er, wo selbes läge und eine gute Schiffsgelegenheit …“

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„… aber der Weg dahin ist weit …“

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„In der Heide wachsen schöne Stoffe von Sammet, Atlas, Gros de Naples, Barege, Madras, Taft, Nanking und so weiter. Das Gras besteht aus Bändern von allen Farben, auch schattiert. Die Wacholderstöcke tragen Broschen und goldne Chemisett- und Mantelettnadeln, und ihre Beeren sind nicht schwarz, sondern echte Perlen.“

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„Alle Brunnen sind voll Malvasier und andre süße Weine, auch Champagner, die rinnen einem nur so in das Maul hinein, wenn er es an die Röhren hält. Wer also gern solche Weine trinkt, der eile sich, dass er in das Schlaraffenland hineinkomme. “

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Man möchte meinen, Ludwig Bechstein, aus dessen „Märchen vom Schlaraffenland“ die Zitate oben stammen, wäre dabei gewesen, als wir neulich im Schlosshotel Münchhausen zu Gast waren. Die freundlichen Menschen, die Hotel und Restaurant mit Leben füllen, hatten uns eingeladen zu „Münchhausens Gourmetreise“.

Eine Reise in doppeltem Sinne soll es werden an diesem Nachmittag. Zum einen gilt es, das schöne Interieur von Schloss Schwöbber zu erkunden. Prachtvolle Schnitzarbeiten, ein reich verzierter Kamin, die wunderbaren Tapeten mit venezianischen Motiven: In jedem Raum gibt es etwas Besonderes zu entdecken, und jeder von ihnen hat seinen ganz eigenen Charakter und Charme.

An diesem Nachmittag lustwandeln die Reisenden außerdem auf Genießer-Pfaden. Im ganzen Haus sind Genuss-Stationen eingerichtet, an denen renommierte Köche, Grillmeister, Pâtissiers und Winzer stehen, die die Besucher in ihrem kulinarischen Kosmos willkommen heißen. Lauter unterschiedliche höchst eigene Geschmacksgebiete, die entdeckt werden wollen. Lust auf ein paar Reise-Impressionen? Auf geht’s – mit Volldampf.

Den macht auf der Terrasse vor der „SchwöbBar“ Markus Semmler aus seinem Hauptstadt-Haus „Das Restaurant“, natürlich im Dienste des Genusses …

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… und da ist sie auch schon: die Auster mit Lardo und Gin, eine Winzigkeit knackiger Sellerie bringt Biss ins Spiel.

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Direkt nebenan hat Gerald Hochgatterer aus dem österreichischen Perg Hochrippe vom Rind im Programm, die er im „Big Green Egg“ grillt. Auf dem Teller finden sich zarte Scheiben vom US-Beef mit Chioggia-Rübe und Wasabi zusammen.

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Venedig liegt am Wasser – klar.  Da bietet es sich an, im Venezianischen Zimmer Fisch zu servieren. Das Team um Stefan Manier vom Gasthaus Stromberg in Waltrop kombiniert feinen Thunfisch mit Melone und Gurke, dazu gesellt sich das Aroma von Miso-Mayo – und knackige Wasabi-Mandeln dürfen ebenfalls mitspielen.

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Nebenan ist die Küchen-Crew von Gastgeber Achim Schwekendiek aus dem Schlosshotel Münchhausen für den kurzfristig verhinderten Frank Buchholz eingesprungen und richtet die von Buchholz kreierten Teller mit Rotlachs, Erbsenpüree, Rettich-Spänen sowie luftiger Joghurt-Sauce und perlendem Joghurt-Granulat an.

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Quer durch den Rittersaal führt die kulinarische Reise in den Bereich des Gourmetrestaurants. Erster Stopp ist bei Iris Bettinger vom Hotel Restaurant Reuter in Rheda-Wiedenbrück. Ihre Ravioli vom Hällischen Schwein kommen als originelle Variation des norddeutschen Klassikers „Birnen, Bohnen und Speck“ daher.

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Nebenan wird’s leicht orientalisch. Perfekt gegarten Kabeljau auf Couscous, in dem sich winzige Rosinen und Kichererbsen tummeln, dazu gegrillte Spitzpaprika und Himbeeren, hält Joachim „Jockl“ Kaiser aus Meyers Keller im bayerischen Nördlingen bereit.

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Marc Schulz aus der Crew des Schlosshotels Münchhausen kredenzt – zu rockigem Sound aus den Boxen – in der heimischen Küche heimisches Reh aus dem Deister mit Couscous und schickt dazu die Aromen von Aprikose und Verbene ins Rennen.

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Tiefer hinein geht es in die Küche, dort wartet Marcel Herbel, ebenfalls aus dem Schlosshotel Münchhausen, mit zwei Pâtisserie-Positionen auf. Geschichtet in Gläsern gehen Blaubeeren und Frischkäse sowie Brombeeren und Tabak eine süße Verbindung ein.

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Auch im Rittersaal bleiben wir auf der süßen Seite. Patissier Georg Kocmann von „Süßes aus Leidenschaft“ schichtet Marillenragout und -parfait, Brownies, Kakao-Espuma und Honigkresse zu einer modernen Variante der Sachertorte im Glas.

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Klar, dass in der Espuma die „Original Beans“ von Patrick von Vacano zum Einsatz kommen, der sich die Genuss-Station mit Georg Kocmann teilt.

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Noch ein Abstecher auf die Oenothek-Terasse. Dort hat eine Besatzung der Deutschen See angelegt – im Gepäck: zarte Gelbschwanzmakrele, die nur kurz angeflämmt wird, ehe sie, mit würzigem Sud beträufelt, ihr Plätzchen im Grünen findet.

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Gleich nebenan setzt Alexander Dressel vom Relais & Chateau Hotel Bayrisches Haus in Potsdam auf intensive Aromen und ebensolche Farben. Er serviert eine kraftvolle Kombination von Luma Porc und Kimchi.

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Und die Gillardeau-Austern, die Rungis Express aufgeboten hatte, müssen Spitze gewesen sein: Alle 200 Stück sind verzehrt, als wir am Ende unserer Gourmetreise den Stand erreichen.

Dass der Genussdampfer auf dieser Gourmetreise stets eine Handbreit Rebensaft unterm Kiel hatte, dafür sorgten die von Britta Minder, Restaurantleiterin und Sommelière im Schlosshotel Münchhausen, sorgfältig ausgewählten Winzer, die passende Weine zu den jeweiligen Tellern empfahlen. Zu Gast waren das Weingut Capannelle aus der Toskana, das Weingut Chat Sauvage und das Weingut Schloss Vollrads, beide aus dem Rheingau, das Weingut Domaine de l’Horizon (Languedoc-Roussillon), das Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan und Winfried Frey Weinanbau, beide aus der Pfalz, die Bodegas Remírez De Ganuza (Riocha) und das Weingut Ziereisen aus Baden.

Am Ende der rundum gelungenen und genussvollen Reise im Schlosshotel Münchhausen steht ein erleichtertes Aufatmen im Doppelpack. Nummer eins: Nur gut, das es keinerlei Notwendigkeit gibt, einen Favoriten zu küren unter all den tollen Tellern. Und Nummer zwei: Was für ein Glück, dass Ludwig Bechstein mit dem letzten Satz seines Schlaraffenland-Märchens der Münchhausenschen Wahrheit dann doch nicht im Mindesten nahe kommt:

„Um das ganze Land herum“, so schreibt Bechstein, „ist aber eine berghohe Mauer von Reisbrei. Wer hinein oder heraus will, muß sich da erst überzwerch durchfressen.“

Mussten wir nicht. Puh. Sonst wären wir wohl grandios gescheitert, ehe wir nur ein einziges der köstlichen Gourmetreise-Gerichte hätten probieren können.

Hinweis: Herzlichen Dank an das  Schlosshotel Münchhausen, auf dessen Einladung wir auf die Gourmetreise gehen durften! Der Beitrag gibt meine eigene Meinung wieder.

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