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Prickel-Kick mit Salt & Vinegar

Typisch britisch: Sollte ich England in einem einzigen kulinarisch-sensorischen Erlebnis beschreiben, wäre dies die auf der Insel so beliebte Geschmacksrichtung Salt & Vinegar und das feine Prickeln, das sie auf Zunge und Lippen hinterlässt. Ein Aroma, das ich sehr mag – zumindest dann, wenn es mit feinem Crunch kombiniert auftritt.

salt_vinegar_chips
Zugegeben: An Salt & Vinegar scheiden sich die Geister. Die einen sind ganz heiß auf den Geschmack, die anderen schüttelt es bei der bloßen Vorstellung – ein Lauwarm gibt’s in dieser Frage nicht. (Für alle, die das Aroma so gar nicht schätzen, verlinke ich am Ende des Beitrags noch ein paar alternative englische Gerichte.) Auch ich mag es nicht in jeder Spielart. Was ich etwa gar nicht leiden kann, ist die Variante, in der der Essig, gelegentlich verdünnt mit Wasser, in rauen Mengen über Pommes gekippt wird. Vorsicht an der Take-Away-Theke: Wer verhindern will, dass seine Fritten von der freudlosen Flüssigkeit durchtränkt und binnen Sekunden schlapp und lappig werden, muss dem Fish’n’Chips-Dealer rasch und rechtzeitig ins Wort – und notfalls in den Arm mit der Sprühflasche – fallen.

Für knusprige Salt & Vinegar-Crisps, also die deutschen Chips, lasse ich allerdings jede Tüte des hierzulande beliebten Pendants in der Geschmacksrichtung Paprika liegen. Hier und heute gibt es sie selbst gemacht – ohne Zusatzstoffe und künstliche Aromen, dazu kaloriensparend im Ofen zubereitet -, und zwar in gleich zwei Varianten: einmal als Knabberei, die dem Fußball-Fernseh-Abend den Prickel-Kick gibt, und einmal in etwas opulenterer Form, als herrlich knusprige Smashed Potato, die – zum Beispiel serviert mit Salat und Sour Cream – eine gute Grundlage für das eine oder andere Ale oder Lager bildet.

smashed_potatoes

Das Würzmittel meiner Wahl ist in beiden Fällen ein Essigsalz, das im Backofen hergestellt wird. Das Salt & Vinegar-Aroma gerät damit milder und weniger intensiv, als man es von gekauften Produkten her kennt. Wer einen ähnlich intensiven Effekt erzielen möchte, wie diese ihn aufweisen, sollte auf Essigpulver ausweichen, das es fertig zu kaufen gibt.

Das braucht ihr:

Für das Essig-Salz:

1 EL Weißweinessig
1 EL Meersalz

Für die Chips:

1 mittelgroße, möglichst gleichmäßig dicke Kartoffel
2 EL Weißweinessig
etwas Sonnenblumenöl

Für die Smashed Potatoes:

1 kg kleine Kartoffeln
2 EL Butter
1 Schuss Olivenöl
Schnittlauch
Weißweinessig zum Beträufeln


Und das macht ihr:

Den Backofen auf 250°C vorheizen. In einer ofenfesten Form Meersalz und Essig mischen und gleichmäßig auf dem Boden verteilen. Im Ofen backen, bis der Mix so gerade nicht mehr feucht ist und sich noch nicht stark dunkel verfärbt hat (bei mir dauert das so 15 bis 20 Minuten). Dabei gelegentlich durchrühren. Form aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Das Essigsalz in einen Mörser geben und bearbeiten, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind.

Für die Chips die Kartoffel gut waschen und samt Schale auf einer Mandoline in sehr dünne, gleichmäßige Scheiben hobeln. Diese in eine verschließbare Plastiktüte füllen, den Essig zugeben und leicht schütteln und kneten, bis alle Kartoffelscheiben mit dem Essig in Kontakt gekommen sind. Ungefähr zwei Stunden bei Raumtemperatur ziehen lassen. Den Ofen auf 190°C vorheizen. Die Flüssigkeit aus der Plastiktüte abgießen, dabei die Kartoffelscheiben vorsichtig ausdrücken. Ein Blech mit Backpapier auslegen, und jetzt beginnt das fröhliche Fieseln: Die Kartoffelscheiben müssen einzeln nebeneinander auf dem Backblech platziert werden. Das dauert ein kleines Weilchen… Ist das geschafft, wird jede Scheibe mit einem Hauch Öl eingepinselt, und dann wandert das Blech in den Ofen. Sind die Scheiben sehr fein, dauert das Backen nur wenige Minuten. Am besten daneben stehen bleiben, denn die Chips werden schnell zu braun. Nehmen sie eine goldgelbe Farbe an, das Blech herausnehmen und die Chips vorsichtig lösen und wenden, um sie dann noch einmal zum endgültigen Trocknen ganz kurz in den Ofen zu schieben. Herausnehmen, in eine Schale geben und mit dem Essigsalz mischen: Knabberspaß ahoi!

Für die Smashed Potatoes die Kartoffeln in zirka 20 Minuten gar kochen. Abgießen, zusammen mit der Butter zurück in den Topf geben und diesen vorsichtig schütteln und rütteln, so dass die Kartoffeln von der schmelzenden Butter überzogen werden. Den Ofen auf 220°C vorheizen. Die Kartoffeln auf einem Brett mit einem schweren Glas oder Becher platt drücken, bis sie eine Dicke von gut einem Zentimeter haben. Die Kartoffel-Fladen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit der im Topf verbliebenen Butter einpinseln. Das Blech in den Ofen schieben und die Kartoffeln 20 Minuten backen. Herausholen, wenden und mit Olivenöl beträufeln, ehe sie für weitere 20 Minuten in den Ofen kommen. Die Backzeit mutet ziemlich lang an, sie ist aber genau richtig, damit die Smashed Potatoes schön knusprig werden. Schließlich die Kartoffeln aus dem Ofen holen und mit dem Essigsalz sowie dem in Röllchen geschnittenen Schnittlauch bestreuen. Wer mag, beträufelt sie außerdem mit ein wenig Weißweinessig – ich belasse es allerdings, das eingangs erwähnte Weiche-Pommes-Trauma lässt grüßen, beim Würzen mit dem Essigsalz. Ein knackiger Salat und ein Klecks Sour Creme machen den Genuss rund. Lasst es euch schmecken!

Ich habe ja erklärtermaßen ein Faible für die englische Küche. Wer mit Salt & Vinegar also gar nicht warm wird, findet hier ein paar alternative Ideen für Gerichte von der Insel:

Stilton & Leek Tart

Chicken Tikka Masala

Cornish Pasty

Lemon Lavender Drizzle Cake

Curried Lentil Soup und Bread & Butter Pudding

Apple Crumble

Dies ist mein Beitrag zum Event „EuropaKochen – Wir kochen uns durch Europa“, das Peter vom Blog „Aus meinem Kochtopf“ zur Fußball-EM 2016 initiiert hat.

Blogevent EuropaKochen 2016 - Wir kochen uns durch Europa

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6 Comments

  1. Spät, aber glücklicherweise nicht zu spät entdeckt! Ich liebe salt & vinegar, kann aber den käuflichen Produkten wegen der ganzen Zusatzstoffe nichts abgewinnen. Jetzt werde ich einfach selbst Hand anlegen 🙂 Danke!

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Au ja, mach mal. Viel Spaß & Erfolg beim Ausprobieren! 🙂

  2. Danke Barbara,
    ich finde es höchst spannend. Aber ich gehöre leider zu der Fraktion
    die das nicht mag.

    Und wie Du schon selber geschrieben hast: dazwischen gibt es nix.

    Vielen Dank fürs mitmachen und mit leckerem Gruß
    Peter

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Danke, dass du das schöne Event einmal mehr aus der Taufe gehoben hast. Ich schau‘ mal – wenn die Engländer in die nächste Runde kommen, koche ich möglicherweise noch mal was. Vielleicht kannst du damit dann mehr anfangen. 🙂

  3. Uih….smashed potatoe mit Essig und Salz – das mache ich nach!

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Au ja, mach mal! Bin gespannt, wie es dir gefällt. 🙂

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