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Lattenzaun, Zwischenraum und „Biff à la Lindström“

Die Maler wurschteln erfreulich geräuscharm in der Küche, die soeben runderneuert wird; Kater Heinrich liegt neben dem MacBook auf dem Schreibtisch und schnurrt wie ein Weltmeister: Zeit, einen Beitrag zu schreiben, den ich eigentlich schon für die „Jeden Tag ein Buch“-Woche geplant hatte. Und ein Gericht vorzustellen, das bei uns – würdig und tröstlich – den Abschied von der alten Küche markiert hat. Es stammt aus Stevan Pauls Seelenfutterbuch „Schlaraffenland“.

Wenn der Stevan Paul für Gäste kocht, dann hat er’s gut. Entweder sagen die Gäste am Ende des Abends: „Schreiben kann er aber besser.“ Oder sie sagen: „Kochen kann er besser.“ Zu verlieren hat er also nicht viel, der Stevan. So stelle ich mir das zumindest vor.

Stevan Paul ist ein Multi-Talent. Er ist Koch, Rezepte-Erfinder, Foodstylist, Blogger. Und er schreibt – nicht bloß nüchterne Rezepte (wenngleich selbst diese Produkte aus seiner Feder schon beim Lesen so fantastisch stimmig und dicht daherkommen können, dass der Gedanke an Lyrik nicht weit hergeholt scheint). Nein, viel besser: Er schreibt Geschichten – ganze Bücher voll. Dabei fabuliert er rund um jene Themen, von denen er so viel versteht: das Kochen und Essen. Das Leben. Und wetten, dass in einer ganzen Reihe seiner Geschichten nicht bloß zufällig auch Musik drin ist?

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Selbst dann übrigens, wenn sie nicht explizit erwähnt wird. Stevan Pauls Geschichten swingen. Meine Theorie dazu: Das Spannungsfeld zwischen einer guten Portion Bodenhaftung und der Kunst, das Leben leicht zu nehmen – trotz aller Gemeinheiten, die es bereit halten kann -, versetzt seine Geschichten in winzige, oszillierende Schwingungen. Die sich ohne Reibungsverluste auf die Leser übertragen. Und sie so schnell nicht mehr loslassen. Irgendwie so halt … in Physik war ich schon immer ’nen Kracher.

Aber hier geht’s ja auch eher um Metaphysisches. Und zwar im Morgenstern’schen Sinne vom „Lattenzaun mit Zwischenraum, hindurchzuschauen„. Nimmt man den Zwischenraum weg und steht der Zaun nun also „ganz dumm mit Latten ohne was herum“, ist das „ein Anblick grässlich und gemein“. Schreibt Morgenstern. Nicht die Latten des Zaunes sehen, sondern die Ritzen dazwischen: Wenn einer das kann, dann ist das Stevan Paul. Und von dem, was ihm dort in den Blick gerät, erzählt er, mal komisch, mal berührend, aber immer klug und ganz nah am Leben – und im Wissen um das ultimative Trost-Potenzial einer guten Portion Milchreis.

Das Rezept für einen solchen Milchreis gibt es natürlich auch im „Schlaraffenland“, in dem aus jeder Geschichte ein Rezept entspringt. Oder ist es umgekehrt? Zaunlatte oder Zwischenraum, das ist hier die Frage. Und weil die sich mit hungrigem Magen ganz gewiss nicht beantworten lässt, gibt es jetzt endlich was zu essen. Nämlich „Ebba Mattssons Biff à la Lindström“ nach Stevan Paul.

Dazu braucht ihr:

120 g Zwiebeln
200 g gekochte Rote Bete
500 g Rinderhack
20 g Kapern
1 EL scharfen Senf
1 Ei
Salz & Pfeffer
125 g Bacon in Scheiben
15 g getrocknete Steinpilze
300 ml Gemüsebrühe
250 ml Schlagsahne
200 g Champignons
2-4 EL trockenen Weißwein

Und das macht ihr:

Zwiebeln und Rote Bete fein würfeln, mit Hack, Kapern, Senf und Ei sowie ausreichend Salz und Pfeffer verkneten. Bacon-Scheiben leicht überlappend auf einem Brett auslegen, die Hack-Mischung zu einem Laib formen, drauflegen und den Bacon Streifen für Streifen über dem Hack-Laib zusammenschlagen. Mit der „Naht“-Seite nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und bei 200 Grad im Ofen zirka eine Stunde backen.

Steinpilze zerkleinern und mit Brühe und Sahne im offenen Topf rund 40 Minuten sanft köcheln lassen. Champignons in dünne Scheiben schneiden, zur Steinpilzsauce geben und weitere 5 Minuten köcheln lassen. Die Sauce mit Weißwein, Salz und Pfeffer abschmecken.

Bei uns stimmte die Konsistenz der Sauce dann schon fast, wir haben sie einfach noch ein kleines Weilchen weiter einkochen lassen. Stevan Paul empfiehlt, nach Geschmack mit Saucenbinder nachzuhelfen. Und als Beilagen zum „Biff à la Lindström“ schlägt er Gewürzgurken und/oder gebutterte Erbsen und Salzkartoffeln vor.

Herrliches „Soul Food“! Und als genau solches kommt es in der zum Rezept gehörenden, witzigen Geschichte vom „Röda Huset“ auf den Tisch. Die gibt’s im Buch zu lesen. Dort beschreibt Stevan Paul das Rezept im übrigen noch mal viel schöner und ausführlicher, als ich das hier getan habe.

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4 Comments

  1. Wie lustig! Bei mir hat es nämlich „Schlaraffenland“ auch nicht mehr in die Buchwoche geschafft, obwohl ich ein daraus gekochtes Rezept in petto hatte. Das folgt ebenfalls demnächst. Aber jetzt bin ich sehr froh, dass Du mir zuvorgekommen bist: Du hast das Buch und die Erzählweise wunderbar beschrieben!

    • svanadis

      svanadis

      Nee, oder??? 😀 Da bin ich ja schwer gespannt darauf, welches Gericht du gewählt hast (die gefährlichen Schönheiten? Ja??) – und auf deinen Beitrag natürlich sowieso!

  2. Eva

    Eva

    Wunderbar und so treffend beschrieben – der Stevan! 🙂
    Und Ebba Mattsons Biff à la Lindström jetzt auf einem Teller vor mir würde mir in deiner Version allzu gut gefallen!

    • svanadis

      svanadis

      Dankeschön, Eva! Und das „Biff à la Ebba Mattsson à la Stevan Paul“ ist in der Tat sehr köstlich! 🙂

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