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Schlemmen fürs Vaterland: Artusis Gnocchi alla Romana

„Erst einem 71-jährigen Seidenhändler aus Florenz gelang 1891 das scheinbar Unmögliche. Pellegrino Artusi schuf jenen nationalen Identifikationscode, an dem die Politiker und Künstler gescheitert waren: Pellegrino Artusi verfasste ein Kochbuch.“

Gnocchi_alla_Romana
Das schreibt die Historikerin und Journalistin Maren Preiss 2003 in der „Zeit“ über jenen Mann, der als Begründer der italienischen Nationalküche gilt. „Wie Pellegrino Artusis Kochbuch 1891 zur heimlichen Gründungsakte der italienischen Nation wurde“ überschreibt sie ihren aufschlussreichen Beitrag, Und der legt eindrucksvoll dar, dass eine tiefe Leidenschaft fürs Kochen und Essen nicht notwendigerweise ein Ausdruck fadesten Herd-Heimchen-Eskapismus‘ sein muss, sondern sehr wohl gesellschaftspolitische Kräfte entfalten kann. „La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene“  (Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens)  heißt das Werk, dem die staatseinende Wirkung attestiert wird. Und dieses Buch hat Petra von „Der Mut anderer“ in den Fokus des ersten einer Reihe von Events zum Fünfjährigen ihres Blogs – Gratulation! – gerückt.

Um ein Rezept aus dem Buch zu kochen und vorzustellen, muss das Werk nicht im heimischen Handapparat griffbereit sein. Wenngleich ich nach allem, was ich in den vergangenen Tagen über die „Bibel“ der italienischen Nationalküche und ihren, so scheint es, höchst charismatischen Schöpfer gelesen habe, den Ankauf erwäge. Für den ersten Versuch aber liefert das Netz reichlich Inspiration. Neben seinen Landsleuten scheinen vor allem die englischsprachigen Foodies Artusi-Fans zu sein. Eine schöne und umfangreiche Sammlung seiner Rezepte, in der ich für meinen Beitrag schließlich auch fündig geworden bin, findet sich hier bei Emiko Davies. Gnocchi alla Romana sollen es werden, und die haben in diesem Fall nichts mit den herkömmlichen Kartoffel-Gnocchi zu tun. Der Stoff, aus dem diese Köstlichkeiten gemacht sind, ist: Grieß. Und noch so ein, zwei Kleinigkeiten…

Pellegrino Artusi war Literaturkritiker. Gourmet. Als Stoffhändler dealte er mit dem exquisitesten Material überhaupt: mit Seide. Ein Feingeist durch und durch also. Aber einer, der wusste, an welchem Punkt er mit filigranen Spezereien und edlen, apothekerfein dosierten Gewürzen gar nicht erst ankommen musste. Wo es um die Einheit des italienischen Vaterlandes geht, braucht es härtere Drogen. Den richtig guten Stoff. Käse. Butter. Noch mehr Käse. Noch mehr Butter. Unbedingt mehrheitsfähig. Ein Angebot, das keiner ausschlagen kann.

Das braucht ihr für Pellegrino Artusis Gnocchi alla Romana:

2 Eier
150 g Hartweizengrieß
500 ml Milch
40 g gut schmelzender Käse, zum Beispiel Asiago (ich: Taleggio)
50 g Butter
40 g Parmesan

Und das macht ihr:

Die Eier mit dem Grieß verrühren, nach und nach die Milch zugeben, bis ein glatter Teig entsteht. Den Käse reiben oder würfeln und untermischen. Den Topf mit der Mischung für etwa fünf Minuten bei mittlerer Hitze auf den Herd stellen, dabei ständig rühren, bis ihr eine dicke, ziemlich feste Masse habt. Auf ein kalt abgespültes Backblech oder ein mit Backpapier ausgelegtes Brett geben, Grießmasse darauf zirka 1 Zentimeter dick verstreichen und abkühlen lassen. Mit einer runden Plätzchenform oder einem Glas Kreise ausstechen, ziegelartig in eine mit einem Teil der Butter gefettete Auflaufform schichten. Die restliche Butter in Flöckchen auf und zwischen den Gnocchi verteilen, mit dem Parmesan bestreuen und bei 200 °C im Ofen etwa 20 Minuten backen, bis sie goldgelb sind. Buon appetito!

Die Gnocchi alla Romana sind ein Beitrag zum Blogevent zu Pellegrino Artusi auf „Der Mut anderer“.

Der Mut Anderer

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9 Comments

  1. Kann die Anschaffung dieser «Bibel», wie du schreibst, nur unterstützen!
    Aber Achtung: die Angaben in den Rezepten sind – ich möchte mal sagen: – rudimentär, es braucht schon noch einiges an Koch-Erfahrung. Dies dürfte bei dir allerdings kein Problem sein!
    FEL!X

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Oh.du bist auch Artusi-Fan, Felix! Gut zu wissen – dann werde ich mir sie tatsächlich zulegen, die „Bibel“, und wenn ich dann mit irgendwelchen Angaben nicht klar komme, weiß ich ja, wen ich fragen kann… 😉 Nee, im Ernst: Hab‘ ich jetzt schon mehrfach gelesen, dass in Artusis Fall durchaus ein bisschen improvisiert werden muss (nicht nur darf) – kommt mir aber, glaube ich, sogar entgegen. Herzliche Grüße an dich!

  2. Toller Artikel – mit Herrn Artusi bin ich vor einigen Jahren mal kurz in Berührung gekommen, aber gekocht habe ich nie etwas aus dem berühmten Kochbuch. Jedenfalls sehr spannend, die Beschäftigung mit historischen Kochbüchern. Ich hoffe auf weitere Teilnahme am Event von Dir. 🙂

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Merci! Ja, ich bin auch echt froh, dass ich auf diese Weise ein bisschen was über ihn erfahren habe. Ich kannte vorher gerade mal seinen Namen, sonst wusste ich eigentlich nichts über ihn. Insofern bin ich auch wirklich gespannt, wie Petra mit ihrem Event weiter macht – wer weiß, was da noch für Schätze gehoben werden wollen? Machst du auch mit?

      • Ja, ich habe schon vor, mal mitzumachen, wenn es passt. Mal sehen, was da so kommt!

      • Barbara Luetgebrune

        Barbara Luetgebrune

        Uiuiui, die nächste Runde wird schon mal wieder spannend: Apicius!

  3. Hallo Barbara,
    Hartweizengrieß statt Kartoffeln klingt interessant, vielleicht ist das auch einfacher? Kartoffelgnocchi sind bei mir eher ein Problemfall…..
    Vielen Dank für’s Mitmachen mit Deinem tollen Beitrag.
    Liebe Grüße
    Petra

    • Barbara Luetgebrune

      Barbara Luetgebrune

      Ich habe zwar ein Gnocchi-Rezept, das easy funktioniert, aber: Ja, stimmt, einfacher sind sie auch. Und köstlich. Das nächste Mal würde ich wohl noch eine Tomatensauce dazu machen. Merci für deine schöne Event-Idee! Bin schon gespannt, welches Kochbuch du dir als nächstes ausgeguckt hast… 🙂

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