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Wie der Oktober riecht

Die großartige Mademoiselle Readon sammelt auf ihrem Blog olfaktorische Monatsnotizen. Da mag ich meine Oktober-Rückschau heute auch mal beisteuern. Et voilà:

das_leben

Der Oktober riecht nach der bitteren Süße unbezahlter Überstunden, die die Sonne schiebt, und die wir Sommerkinder dem Herbst heimlich aus der Manteltasche stibitzen.

Der Oktober riecht nach Suppenwürze, die in Laub-Gestalt leise ächzend unter den Füßen zerbröselt.

Der Holzheizungsqualm aus dem Schornstein der Nachbarn verfängt sich im täglich dichter werdenden Winterpelz der Katzen und löst dort den sommerlangen Heu-Duft ab.

Der Oktober riecht nach dem frischen Wind, der den Staub der trockenen Tage ein letztes Mal aufwirbelt, ehe er per Wolken-Express den Regen schickt, der den Staub zu Matsch macht.

Der Wind kommt aus Westen, darum riecht der Oktober heute auch süßlich-schwer nach dem Rübenzucker, der in der Fabrik in der Nachbarstadt gekocht wird.

Der Oktober riecht nach nassem Wollpulli.

Der Oktober riecht nach dem metallischen Schweiß der angestrengten Heizung, die nach sechs Monaten Trainingspause nur mühsam wieder Tritt fasst.

Eintopf und Schmorgerichte verströmen ihr deftig-tröstliches Aroma durch die angelehnte Küchentür ins Treppenhaus, das genau so aussieht wie jenes in dem alten Fernseh-Krimi von neulich. Gleich wird Elisabeth Flickenschildt die Stufen herab schreiten und beteuern: „Herr Kommissar, mein Sohn war die ganze Nacht zu Hause.“

Zuckersüßer, als jede Sommerblüte es könnte und wollte, duftet der dichte, weiche Schaumteppich, der in der Wanne auf dem ersten heißen Bad der Saison knistert.

Der Oktober riecht nach der Sehnsucht der Sommerkinder, die Uhren zurück auf Mai zu stellen. Doch geht’s nur um eine Stunde zurück. Die Winterzeit ist da.

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